Wie läuft eine Dyskalkulie-Diagnostik ab?
Vielleicht beobachten Sie schon länger, dass Ihrem Kind Mathematik ungewöhnlich schwerfällt.
Es übt viel, trotzdem bleiben einfache Rechenwege unsicher. Hausaufgaben dauern lange, bereits Gelerntes scheint schnell wieder vergessen und vielleicht beginnt Ihr Kind inzwischen selbst zu sagen:
„Ich kann Mathe einfach nicht.“
Irgendwann stellt sich für viele Eltern die Frage:
Sollten wir das genauer untersuchen lassen?
Und direkt danach kommt oft die nächste Unsicherheit:
Was passiert eigentlich bei einer Dyskalkulie-Diagnostik?
Viele Eltern stellen sich darunter zunächst eine Art große Matheprüfung vor, bei der am Ende lediglich herauskommt, ob das Kind „gut“ oder „schlecht“ gerechnet hat.
Eine gute Diagnostik sollte jedoch deutlich mehr leisten.
Es geht nicht nur darum, wie viele Aufgaben ein Kind richtig löst.
Entscheidend ist auch:
Wie denkt das Kind beim Rechnen?
Was soll eine Dyskalkulie-Diagnostik herausfinden?
Eine Dyskalkulie-Diagnostik soll helfen zu verstehen, warum Mathematik einem Kind schwerfällt.
Denn hinter ähnlichen Schulnoten können ganz unterschiedliche Schwierigkeiten stecken.
Ein Kind rechnet vielleicht noch fast jede Aufgabe zählend.
Ein anderes hat Schwierigkeiten, Mengen und Zahlen miteinander zu verbinden.
Ein weiteres hat bestimmte Rechenverfahren auswendig gelernt, ohne die mathematischen Zusammenhänge wirklich verstanden zu haben.
Und manchmal sind mathematische Grundlagen durchaus vorhanden, aber Unsicherheit oder Leistungsdruck erschweren den Zugriff darauf.
Deshalb reicht es nicht, nur festzustellen:
„Diese Aufgabe war richtig.“
oder:
„Diese Aufgabe war falsch.“
Viel interessanter ist die Frage:
Wie ist das Kind zu diesem Ergebnis gekommen?
Warum ein Testergebnis allein nicht alles sagt
Standardisierte Tests sind ein wichtiger Bestandteil einer Dyskalkulie-Diagnostik.
Sie ermöglichen es, die mathematische Leistung eines Kindes systematisch einzuordnen.
Aber ein Testwert allein erklärt noch nicht, warum ein Kind Schwierigkeiten hat.
Zwei Kinder können beispielsweise dieselbe Aufgabe falsch lösen – und trotzdem völlig unterschiedliche Denkwege haben.
Das eine Kind zählt sich mühsam zum Ergebnis.
Das andere verwechselt Stellenwerte.
Ein drittes hat eine Regel falsch abgespeichert.
Für eine gezielte Förderung ist genau dieser Unterschied entscheidend.
Deshalb verbinde ich in meiner Diagnostik standardisierte Testverfahren mit einer prozessorientierten Diagnostik.
Dabei beobachte ich nicht nur das Ergebnis, sondern auch, wie ein Kind an eine Aufgabe herangeht, welche Strategien es verwendet und welche Vorstellungen von Zahlen und Mengen dahinterstehen.
Zusätzlich wähle ich aus verschiedenen Intelligenztests aussagekräftige Untertests aus. Diese ergänzen den mathematischen Teil der Diagnostik und geben Hinweise darauf, wie wichtige Basiskompetenzen entwickelt sind.
Was wird bei einer Dyskalkulie-Diagnostik angeschaut?
Je nach Alter und individuellem Entwicklungsstand können unterschiedliche mathematische Bereiche eine Rolle spielen.
Dazu gehören beispielsweise:
- das Verständnis von Mengen und Zahlen,
- Zahlvorstellungen,
- Größen- und Mengenvergleiche,
- das Stellenwertverständnis,
- Rechenstrategien bei Addition und Subtraktion,
- Multiplikation und Division,
- der Umgang mit Zehnerübergängen,
- das Erkennen mathematischer Zusammenhänge,
- sowie die Frage, ob ein Kind noch überwiegend zählend rechnet.
Ergänzend werden ausgewählte Untertests aus verschiedenen Intelligenztests eingesetzt. Dabei geht es nicht darum, eine allgemeine „Klugheit“ zu bewerten. Vielmehr sollen bestimmte Basiskompetenzen betrachtet werden, die für das Lernen und mathematische Denken bedeutsam sind.
Dazu können beispielsweise Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, schlussfolgerndes Denken oder die Verarbeitung von Informationen gehören.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Defizite zu finden.
Ziel ist ein möglichst genaues Bild:
Was kann das Kind bereits sicher – und an welcher Stelle wird Mathematik schwierig?
Wie läuft die Diagnostik konkret ab?
Die Diagnostik findet in erster Linie mit dem Kind statt. Ein ausführliches Elterngespräch im Vorfeld ist nicht Bestandteil der Testung.
Zu Beginn arbeite ich mit dem Kind verschiedene Aufgaben aus dem mathematischen Bereich durch. Dabei darf gerechnet, überlegt und erklärt werden.
Ich möchte verstehen:
Wie denkt dieses Kind Mathematik?
Welche Strategien verwendet es?
Wo ist es sicher?
Wo beginnt es zu zählen, zu raten oder auf auswendig gelernte Verfahren zurückzugreifen?
Anschließend oder ergänzend werden passende Untertests aus verschiedenen Intelligenztests durchgeführt. Welche Untertests ausgewählt werden, hängt vom Alter, der Situation und den bisherigen Beobachtungen während der Testung ab.
So können neben den mathematischen Fähigkeiten auch wichtige Basiskompetenzen eingeschätzt werden.
Gerade die Verbindung dieser beiden Bereiche ist hilfreich: Der mathematische Teil zeigt, welche konkreten Schwierigkeiten beim Rechnen bestehen. Die ergänzenden Untertests geben zusätzliche Hinweise darauf, welche grundlegenden Fähigkeiten das mathematische Lernen unterstützen oder erschweren können.
Muss mein Kind Angst vor der Diagnostik haben?
Viele Kinder kommen bereits mit einer längeren Geschichte von Misserfolgen.
Sie haben erlebt, dass Mathematik bewertet wird.
Dass Fehler rote Markierungen bedeuten.
Dass andere schneller fertig sind.
Oder dass Erwachsene immer wieder sagen:
„Das haben wir doch schon geübt.“
Deshalb ist mir wichtig, dass eine Diagnostik nicht wie eine weitere Klassenarbeit erlebt wird.
Das Kind soll nicht beweisen, was es kann.
Wir möchten herausfinden, wie es rechnet und welche Basiskompetenzen bereits vorhanden sind.
Fehler sind dabei keine schlechte Leistung.
Im Gegenteil: Sie können sehr hilfreich sein, weil sie zeigen, welche Vorstellung hinter einem Rechenweg steckt und an welcher Stelle Unterstützung sinnvoll sein kann.
Wie lange dauert eine Dyskalkulie-Diagnostik?
In meinem Mathe-Therapie-Zentrum dauert die Diagnostik etwa zwei Stunden.
Dabei geht es nicht darum, zwei Stunden lang pausenlos Aufgaben zu rechnen.
Die Zeit wird genutzt, um sowohl die mathematischen Fähigkeiten als auch ausgewählte Basiskompetenzen zu betrachten. Je nach Alter und Belastbarkeit des Kindes werden die verschiedenen Aufgabenbereiche passend miteinander verbunden.
Was erfahren Eltern nach der Diagnostik?
Nach der Diagnostik sollte nicht nur die Frage beantwortet sein:
„Hat mein Kind Dyskalkulie?“
Mindestens genauso wichtig sind die Fragen:
Was versteht mein Kind bereits?
Wo fehlen mathematische Grundlagen?
Welche Basiskompetenzen sind gut entwickelt?
Was braucht es jetzt?
In meiner Diagnostik erhalten Eltern anschließend einen ausführlichen schriftlichen Bericht mit einer verständlichen Auswertung und konkreten Empfehlungen für die weitere Förderung.
Damit wird aus einem allgemeinen Gefühl wie
„Mathe klappt einfach nicht“
eine deutlich konkretere Einschätzung.
Eine Diagnose ist kein Etikett
Manche Eltern zögern mit einer Diagnostik, weil sie ihr Kind nicht „abstempeln“ möchten.
Das kann ich gut verstehen.
Doch eine gute Diagnostik sollte genau das Gegenteil bewirken.
Sie soll ein Kind nicht auf eine Schwäche reduzieren.
Sie soll erklären, warum bestimmte Dinge bisher so schwer waren.
Für manche Kinder kann allein das bereits entlastend sein.
Denn wenn ein Kind jahrelang erlebt:
„Alle anderen verstehen es – nur ich nicht“,
entsteht schnell die Vorstellung:
„Ich bin einfach schlecht in Mathe.“
Zu verstehen, dass bestimmte mathematische Grundlagen noch nicht ausreichend entwickelt wurden oder dass bestimmte Basiskompetenzen besondere Unterstützung benötigen, verändert die Perspektive.
Das Problem liegt dann nicht in der Person des Kindes.
Es wird sichtbar, wo angesetzt werden kann.
Was passiert nach einer Dyskalkulie-Diagnose?
Eine Diagnose allein verändert natürlich noch keine mathematischen Fähigkeiten.
Sie schafft jedoch eine Grundlage dafür, gezielt zu fördern.
Wenn beispielsweise deutlich wird, dass ein Kind Zahlen noch überwiegend über Zählen verarbeitet, sollte eine Förderung nicht einfach beim aktuellen Schulstoff ansetzen.
Dann müssen zunächst mathematische Basiskompetenzen aufgebaut werden.
Auch die Ergebnisse der ergänzenden Untertests können dabei wichtige Hinweise geben. Sie zeigen, welche Voraussetzungen beim Lernen berücksichtigt werden sollten und an welchen Stellen das Kind möglicherweise zusätzliche Unterstützung braucht.
Genau darin unterscheidet sich eine Dyskalkulie-Therapie von klassischer Nachhilfe.
Während Nachhilfe häufig versucht, den aktuellen Unterrichtsstoff zu festigen, setzt eine Dyskalkulie-Therapie dort an, wo das mathematische Verständnis unsicher geworden ist.
Erst wenn diese Grundlagen stabiler werden, kann darauf weiterer mathematischer Stoff sicher aufgebaut werden.
Wann ist eine Dyskalkulie-Diagnostik sinnvoll?
Nicht jedes Kind, das einmal Schwierigkeiten in Mathematik hat, braucht sofort eine ausführliche Diagnostik.
Genauer hinzuschauen kann jedoch sinnvoll sein, wenn Sie über längere Zeit beobachten, dass Ihr Kind
- trotz regelmäßigen Übens kaum Fortschritte macht,
- weiterhin sehr viel zählt,
- Rechenwege immer wieder vergisst,
- grundlegende Zahlen- und Mengenvorstellungen unsicher sind,
- ungewöhnlich viel Zeit für Mathematik benötigt,
- zunehmend Frust oder Angst vor Mathe entwickelt,
- oder Mathematik das Familienleben immer stärker belastet.
Auch ein Selbsttest kann Eltern zunächst eine Orientierung geben – er ersetzt jedoch keine individuelle Diagnostik. Auf Ihrer Website weisen Sie darauf ebenfalls ausdrücklich hin.
Wenn Sie schon lange das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt
Eltern haben häufig ein erstaunlich gutes Gespür dafür, wenn die Schwierigkeiten ihres Kindes über normale Lernschwierigkeiten hinausgehen.
Vielleicht hören Sie seit Monaten:
„Das kommt noch.“
„Es muss einfach mehr üben.“
„Irgendwann macht es Klick.“
Manchmal stimmt das.
Aber wenn trotz Übung, Unterstützung und großer Anstrengung kaum Sicherheit entsteht, kann es hilfreich sein, nicht noch länger nur zu üben, sondern einmal genauer hinzuschauen.
Denn die entscheidende Frage lautet nicht:
„Warum kann mein Kind das immer noch nicht?“
Sondern:
„Was hat mein Kind bisher noch nicht ausreichend verstanden – und welche Basiskompetenzen können gezielt unterstützt werden?“
Eine Dyskalkulie-Diagnostik kann genau dabei helfen, eine Antwort zu finden.
Sie wünschen sich Orientierung und Unterstützung?
Nicht jede Schwierigkeit in Mathematik löst sich durch mehr Übung. Manchmal hilft es, genauer hinzuschauen und Zusammenhänge besser zu verstehen.
Als erfahrene Dyskalkulietherapeutin begleite ich Kinder und ihre Familien dabei, individuelle Wege zu mehr Sicherheit und Lernfreude zu finden.
Ich freue mich darauf, Sie und Ihr Kind kennenzulernen.
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